Es handelt sich vermutlich um eines der ältesten Kulturgüter der Menschheit: schon seit mehr als 8000 Jahren kultivieren und trinken die Menschen Wein. Dabei hat sich nicht nur die Erzeugung dieses alkoholischen Getränkes immer fortentwickelt, auch der Genuss des Produktes hat immer ausgefeiltere Formen angenommen.
Heute wird Weinkultur auf öffentlichen Veranstaltungen zelebriert, Privatleute treffen sich zur Weinverköstigung, in Weinbaugebieten finden zur Erntezeit häufig Weinfeste statt, die oftmals Volksfest-ähnlich, mehrere Tage dauern.
Der Genuss des Weines spielte schon im Altertum eine große Rolle. In vielen sozialen, besonders aber auch religiösen Riten kommt dem Wein eine tragende Rolle zu. In frühen Zeiten betrachtete man ihn als Getränk der Götter. Die alten Griechen und Römer kannten jeweils einen eigenen Gott des Weines: Dyonisos bzw. bei den Römer Bacchus.
Mit der Ausbreitung des Römischen Reiches breitete sich auch der Weinanbau aus. In heutigen Weingebieten wie der Wachau in der Niederösterreich oder dem Rheintal nahm er damals seinen Anfang. Sogar bis nach England brachten die Römer die Weinstöcke. Eine mittelalterliche Warmzeit, grob um das Jahr 1200 herum, führte zur größten Ausdehnung des Weinbaus bisher nach Norden. Selbst in Pommern, Ostpreußen und im südlichen Schottland baute man Wein an. Als das Klima wieder kühler wurde, gab man diese Randlagen jedoch schnell wieder auf. Zur damaligen Zeit trank man in Weinregionen oftmals täglich Wein, in anderen Gegenden blieb der Rebsaft noch bis in jüngste Zeit höheren Bevölkerungsschichten vorbehalten.
Der neuzeitliche Qualitätsweinbau nimmt seine Anfänge im Frankreich des 16. Jahrhunderts, anschließend gelangen Portwein und Sherry aus Portugal und Spanien zu erster Berühmtheit.
Im 20. Jahrhundert brachten die beiden Weltkriege den Weinmarkt jedoch kräftig ins Trudeln. Ein umso größerer Aufschwung folgte nach dem 2. Weltkrieg. Das hohe Wirtschaftswachstum in ganz Europa und insbesondere in Deutschland verleitete die Winzer zunächst mit Massenproduktion auf die höhere Nachfrage zu reagieren. Nur wenige, sehr hochpreisige Weine, standen damals für Qualität. Seit den 1970er und 1980er entdecken jedoch mehr und mehr Weinbauern, zunächst im Süden, später auch in Mitteleuropa, den Anbau von qualitativ sehr hochwertigen Weinen. Einige Skandale um die Reinheit des Weines führten auch bei den Verbrauchern zu einem höheren Bewusstsein bei der Weinauswahl. In Deutschland haben es insbesondere einheimische Gewächse wieder zu mehr Anerkennung geschafft. Selbst international werden Sorten wie dem Riesling seit den 90er Jahren Anerkennung gezollt.
Zu einem guten Abendessen gehört für viele Menschen heute eine schöne Flasche Wein dazu. Der Genuss dieses Getränkes gilt nach wie vor als etwas edler und vornehm als zum Beispiel der des Bieres.